Frühlingsputz? Nein danke!
Es scheint Menschen zu geben, die gerne putzen. Leider habe ich dieses Gen von meiner Mutter nicht geerbt. Versteh mich nicht falsch, ich hab’s natürlich auch gerne sauber in unserem Haus. Und auch ich putze regelmässig. Aber es gibt so viele Dinge, die ich viel lieber tue, als putzen. Deshalb halte ich meinen Reinigungs-Aufwand in Grenzen und putze gerade so viel wie nötig. Und Frühlingsputz? Mache ich gar keinen! :0D
Schon dieses Wort „Frühlingsputz“ nervt mich. Wenn es endlich Frühling ist, dann will ich doch rausgehen, die warme Sonne geniessen, die blühende Natur sehen und die Vögel pfeifen hören. Da denke ich ans erste Grillieren, Biken oder Kubb spielen im Garten. Auf keinen Fall assoziiere ich den Frühling mit Putzen.
Wenn ich mir nur schon vorstelle, ich müsste an einem Tag (oder Wochenende) unser ganzes Haus inklusive Gartenschuppen und Schränken ausräumen, entrümpeln, schrubben und wieder einräumen und obendrein auch noch alle Fenster, Teppiche und Vorhänge reinigen, dann kriege ich schon Kurzatmigkeit, bevor ich den Putzschrank überhaupt anschaue. Mal abgesehen davon, dass es zeitlich unmöglich wäre.
Warum machen wir denn eigentlich einen Frühlingsputz?
Der Frühlingsputz ist eine Tradition, bei der man im Frühling das Zuhause gründlich aufräumt und bis in die hinterste Ecke peinlich genau reinigt. Ok. Historisch gesehen, war das oft auch nötig, da sich mit den alten Heizungen in den Wintermonaten feinste Russpartikel überall in der Wohnung verteilten. Dieser Schmutz konnte sich auf Möbeln, Böden, Wänden und anderen Oberflächen ablagern, was einen intensiven Reinigungsbedarf nach dem Winter verursachte.
Für viele war und ist der Frühlingsputz aber auch ein symbolischer Akt. Der Wintermief soll aus dem Zuhause verschwinden und frische Energie soll einziehen. Und so decken sich nach wie vor viele Menschen im Frühling mit einem Arsenal von neuen Reinigungsprodukten ein und haken auf der Frühlingsputz-Checkliste die 500 To-Dos ab.
Frühlingsputz macht heutzutage nicht mehr unbedingt Sinn
Mit den heutigen Heizsystemen ist das Entfernen vom „Winterdreck“ im Frühling nicht mehr nötig. Natürlich entsteht auch im Winter Staub, den es regelmässig zu entfernen gilt. Aber genauso staubig wird’s auch in den anderen Monaten. Und wenn ich bedenke, wie viel Sand und Erde unser Kleiner mit seinen Schuhen aus dem Garten ins Haus bringt, sobald der Boden nicht mehr gefroren ist, wage ich zu behaupten, dass der Winter unsere sauberste Jahreszeit ist… ;0)
Ein weiterer Grund, warum der klassische Frühlingsputz ausgedient hat, ist, dass heutzutage die Wohnfläche, die Anzahl Schränke und der Besitz um ein Vielfaches grösser ist als früher. So ist der Aufwand, alles auf einmal reinigen zu wollen, überwältigend gross. Ausserdem ist unser Alltag sonst schon übervoll, so dass wir oft gar keine Zeit haben, auch noch einen Frühlingsputz unterzubringen.
Wenn wir zu viel aufs mal wollen, fühlen wir uns schnell überfordert. Es frustriert, wenn wir das, was wir uns vorgenommen haben, nicht schaffen. Nicht selten schieben Menschen den Frühlingsputz-Marathon die ganze Zeit vor sich her und das führt zu Stress.
Die Wohnung wird nicht an einem Tag schmutzig, also muss sie auch nicht an einem Tag komplett sauber sein!
Die alternative zum Frühlingsputz: Putzroutine fürs ganze Jahr
Viel einfacher geht es, wenn du das Grossreinemachen in kleine Häppchen teilst und es übers ganze Jahr verteilst. So ist es gut zu bewältigen.
So geht’s:
- Stelle als erstes eine Grundordnung her, bei welcher du weitestgehend freie Oberflächen erhältst. So musst du vor dem Putzen nicht zuerst alles wegräumen und danach wieder hinstellen. Das erleichtert das Putzen enorm und es geht auch viel schneller. Lerne im Onlinekurs „Einfach Ordnung schaffen“, wie du eine Grundordnung mit freien Oberflächen schaffst.
- Erstelle eine Liste, welche Reinigungsarbeiten in eurem Zuhause alle anfallen. Vergiss dabei auch nicht die Dinge, die nur selten gemacht werden müssen, wie beispielsweise Filterreinigungen oder Entkalkungen.
- Definiere den zeitlichen Aufwand für die jeweilige Aufgabe und lege fest, wie häufig diese Aufgabe getan werden muss (täglich, wöchentlich, …, jährlich). Verteile diese Augaben aufs ganze Jahr.
- Nimm dir jeden Monat einen Raum vor, den du entrümpelst und die Schränke rausputzt. Auch andere Reinigungsarbeiten wie Fensterputzen kannst du auf mehrere Termine verteilen.
- Mach nicht alles alleine. Selbst wenn du dir eine Putzhilfe leisten kannst, werden noch viele Aufgaben übrigbleiben. Alle Familienmitglieder sollen sich – je nach verfügbarer Zeit und Fähigkeit – am Putzen beteiligen. So wird das Bewusstsein dafür geschaffen, dass alle in der Familie für die Sauberkeit im Zuhause verantwortlich sind.
- Reserviere in deinem Kalender Zeitfenster fürs Putzen und rechne genug Zeit für die jeweilige Aufgabe ein.
- Erfasse deine Putzroutine in deiner Aufgaben-App (z.B. in Todoist) und lass dich automatisch daran erinnern, wann was erledigt werden muss. Das spart dir eine Menge Mental Load.
- Putze täglich ein bisschen oberflächlich (z.B. Spuren im WC entfernen, Krümel unter dem Tisch saugen, Duschwand abziehen, Waschbecken und Armaturen trocknen, usw.) So kannst du das Intervall für die gründlichere Reinigung verlängern.
Perfekt geputzt? Manchmal ist weniger mehr.
Die Wohnung täglich feucht wischen? 1x im Monat alle Fenster putzen? Alle 3 Monate die Vorhänge waschen?
Wenn ich mir gewisse Putz-Checklisten anschaue, stehen mir die Haare zu Berg!
Mal abgesehen vom unsinnigen Zeitaufwand, den man mit ständigem Putzen verbringen kann, ist es gar nicht nötig, sein Zuhause keimfrei zu halten. Einzig in der Küche sollte auf eine sehr gute Hygiene geachtet werden. Aber auch da ist desinfizieren nicht nötig, das fördert nur resistente Mikroorganismen.
Tatsächlich kann zu viel Putzen schädlich für die Gesundheit sein. Und zwar nicht wegen dem sich hartnäckig haltenden Mythos, dass wir den Hausschmutz für ein gesundes Immunsystem brauchen. Nein. Studien haben gezeigt, dass das Einatmen von Reinigungsmittel genauso schädlich sein kann für unsere Lunge, wie täglich ein Päckli Zigaretten rauchen. [Quelle]
Finde die Balance zwischen Aufwand und Wohlbefinden
Wenn du in Zukunft den Frühling auch lieber auf der Terrasse als mit Putzhandschuhen verbringen willst, dann finde eine passende Routine fürs ganze Jahr und reduziere insgesamt deinen Putzaufwand! Lass dich nicht verunsichern, wenn du weniger putzt als andere. Es zählt einzig und alleine, wie ihr euch als Familie in den eigenen vier Wänden wohlfühlt.



