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Kinder helfen im Haushalt Beitragsbild

Hotel Mama ade – so helfen Kinder im Haushalt

Du kennst das sicher auch: Die Kinderjacke liegt auf dem Boden, das Sportzeug noch verschwitzt im Turnrucksack oder das Tischdecken-Ämtli wurde schon wieder vergessen. Statt lang und breit mit den Kindern zu diskutieren, was zu tun ist, oder sie zum fünften Mal daran zu erinnern, erledigen wir Eltern die Kleinigkeit kurzerhand selbst.

Warum es aber keine gute Idee ist, unseren Kindern alles abzunehmen und wie wir sie stattdessen dazu bringen können, im Haushalt mitzuhelfen und Verantwortung zu übernehmen, erfährst du in diesem Artikel.

Inhalt

Viele Kinder helfen heute kaum noch im Haushalt. Freizeitaktivitäten, Smartphone & Co. ersetzen oft klassische Aufgaben in Küche oder Kinderzimmer.

Die meisten Kinder durchleben aber eine Phase, in der sie bei allem freiwillig mithelfen wollen. Kleinkinder wollen Mami und Papi nachahmen und überall mitmachen. Dabei ist ihre „Unterstützung“ meist keine Entlastung – im Gegenteil: Oft müssen wir am Ende ein kleines Durcheinander beseitigen oder nochmals nachputzen.


Die „Ich mache es lieber schnell selbst“–Falle

Oft lehnen wir Hilfe im Alltag ab: „Nein, jetzt nicht, ich mache das schnell selbst“ – ein Satz, den auch ich oft gesagt habe, als die Kinder klein waren. Gerade wenn die Zeit knapp ist, erledigen wir vieles lieber alleine. Das ist schneller, weniger nervenaufreibend und wir wissen sicher, dass alles erledigt ist.

Mit Kleinkindhilfe dauert vieles länger oder ist vielleicht nicht „richtig“ gemacht: Die Wäsche hängt zerknittert am Wäscheständer, die Kartoffeln sind ungleich gross geschnitten und nach dem Staubsaugen liegt noch Schmutz in der Ecke. Trotzdem lohnt es sich, die Hilfe dankbar anzunehmen.

Denn durch das Mithelfen verbessern Kinder nicht nur ihre Fähigkeiten. Sie erleben ganz nebenbei, was es bedeutet, einen Haushalt zu führen und Teil eines Teams zu sein. Ausserdem wird es immer schwieriger die Kinder zum Mithelfen zu motivieren, je länger sie sich daran gewöhnt haben, dass immer alles für sie erledigt wird.


Kinder im Haushalt mithelfen lassen – von klein auf

Langfristig lohnt es sich also, die zusätzliche Zeit zu investieren. Auch wenn es Nerven kostet: Kinder, die früh einbezogen werden, entwickeln Selbstständigkeit und können uns im Verlaufe der Zeit immer mehr Aufgaben abnehmen.

Idealerweise werden Kinder von klein auf in die Hausarbeit einbezogen. Sobald sie laufen und Dinge aufheben können, sind sie grundsätzlich in der Lage, kleine Aufgaben zu übernehmen. Je älter die Kinder werden, desto mehr darf man ihnen zutrauen.

Ein paar Beispiele für altersgerechte Aufgaben:

  • Kleinkinder können Spielsachen in eine Kiste legen, ihren Teller in die Küche bringen, Früchte schneiden oder Socken in den Wäschekorb werfen.
  • Schulkinder können ihre saubere Wäsche verräumen, das Haustier füttern, im Garten helfen, staubsaugen oder die Spülmaschine ausräumen.
  • Teenager sind durchaus in der Lage, ein Abendessen zu kochen, Wäsche zu machen, Einkäufe zu erledigen oder das Bad zu putzen.


Es ist übrigens nie zu spät, Kinder in die Hausarbeit einzubeziehen. Mithilfe lässt sich jederzeit Schritt für Schritt aufbauen.


Drei Varianten, wie Kinder im Haushalt mithelfen können

Es gibt verschiedene Wege, wie wir Kinder in die Hausarbeit einbeziehen können. Welche Variante bei welcher Aufgabe passt, hängt vom Alter des Kindes, vom Familienalltag und vom eigenen Erziehungsstil ab. Diese drei Modelle haben sich bei uns besonders bewährt:

1. Gemeinsam erledigen

Eltern und Kinder übernehmen Aufgaben zusammen – sei es beim Kochen, Keller entrümpeln, beim Badputzen oder beim Wäsche-Zusammenlegen. Kinder lernen durch Beobachten und Mitmachen. Sie sehen, wie etwas funktioniert und können Schritt für Schritt ihr Wissen erweitern. Gleichzeitig entsteht Nähe. Ist die Stimmung gut, kann auch Hausarbeit zu wertvoller Familienzeit werden.

2. Fix aufteilen („Ämtli“)

Klassische Ämtli – also feste Aufgabenbereiche – geben Kindern Orientierung und Sicherheit. Jedes Familienmitglied weiss, wofür es zuständig ist, sei es täglich oder wöchentlich. Wenn Aufgaben zur Routine werden, lernen Kinder mit der Zeit, selbst daran zu denken – ohne ständiges Erinnern.

Ämtli dürfen selbstverständlich immer wieder angepasst oder neu verteilt werden. Besonders motivierend wirkt es, wenn Kinder bei der Auswahl ihrer Aufgaben mitentscheiden dürfen.

3. Einen Teil übernehmen – den Rest selbst erledigen

Wenn Kinder immer fertig zusammengelegte Wäsche im Schrank vorfinden, haben sie kaum eine Vorstellung davon, wie viel Arbeit dahintersteckt (und das gilt übrigens nicht nur für Kinder 😉).

Eine gute Möglichkeit ist daher, nur einen Teil des Prozesses zu übernehmen und den Rest dem Kind zu überlassen. Beispiele:

  • Die Eltern waschen und trocknen die Wäsche, das Kind legt sie zusammen und räumt sie in die Kommode.
  • Das Kind zieht selbst die Bettwäsche ab und bezieht das Bett neu, die Eltern übernehmen das Waschen.
  • Das Kind sorgt dafür, dass alle Spielsachen und Gegenstände vom Boden entfernt sind, bevor die Eltern staubsaugen.


So fördern wir Selbstorganisation und machen deutlich: Ein Haushalt funktioniert nicht „wie von Zauberhand“, sondern durch den Beitrag aller.


Verantwortung übernehmen ist mehr als nur im Haushalt helfen

Hausarbeit gemeinsam zu erledigen oder klar aufzuteilen ist ein wichtiger Anfang. Doch echte Verantwortung zeigt sich erst dann, wenn Kinder nicht mehr nur ausführen, sondern auch mitdenken, vorausschauen und Aufgaben eigenständig im Blick behalten. Und wenn sie verstehen, warum ihr Beitrag zählt.


Warum Verantwortung für Kinder so wichtig ist

Wer früh lernt, Aufgaben zu planen und ihre Folgen abzuschätzen, wird nicht nur im Haushalt, sondern auch im Alltag entscheidungsfreudiger, selbständiger und gewinnt Selbstvertrauen. Gleichzeitig lernen Kinder, nicht nur für die eigenen Interessen, sondern auch im Sinne eines Teams zu handeln.

Besonders wichtig ist, dass Mädchen und Jungen gleichermassen in die Hausarbeit einbezogen werden. So erkennen beide, dass Haushalt und Verantwortung keine Frage des Geschlechts sind – und es wird ihrer Generation leichter fallen, Chancengleichheit sowie Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu leben.


Warum ständiges Erinnern nichts bringt

Viele Eltern tun sich schwer damit, ihren Kindern nicht ständig hinterherzurufen und an jede Aufgabe zu erinnern. Auch mir fällt das oft noch schwer. Wer aber immer mitdenkt und erinnert, behält den gesamten Mental Load selbst und verhindert, dass Kinder selbstständig Aufgaben übernehmen. Langfristig ist es daher besser, unerledigte Aufgaben einfach sein zu lassen und die Kinder die natürlichen Folgen spüren zu lassen.


Beide Eltern sind Vorbilder

Das Wichtigste ist, dass wir Eltern ein gutes Vorbild sind. Kinder lernen vor allem durch Beobachtung, nicht nur durch Worte. Wenn wir uns selbst nicht an vereinbarte Regeln halten, warum sollten es die Kinder tun?

Kinder dürfen miterleben, wie wir uns als Eltern absprechen und Aufgaben gerecht aufteilen. Es ist wichtig zu zeigen, dass beide Eltern für den Haushalt verantwortlich sind – und dass es keine geschlechterspezifischen Aufgaben gibt.

Mit Spass geht’s leichter

Übrigens können wir Eltern nicht nur Verantwortung vorleben, sondern unseren Kindern zeigen, dass Hausarbeit auch Spass machen kann! Ob beim Küche aufräumen, putzen oder Wäsche zusammenlegen: Lautes Mitsingen zu Rockmusik (inkl. Luftgitarre) geht. Samba tanzen beim Bodenwischen (wie Ludivine im Film „a good year“) geht auch. 😉



So übernehmen Kinder im Haushalt wirklich Verantwortung


Klare Regeln statt täglicher Diskussionen

Damit Kinder verlässlich im Haushalt mithelfen, sind klare Regeln entscheidend. Aufgaben sollten verbindlich sein und dem Alter des Kindes entsprechen. Zuständigkeiten sollten klar definiert werden – etwa, dass jeder seine eigenen Sachen aufräumt.

Wichtig ist, dass sich die Eltern vorher absprechen und gemeinsam einig sind, welche Erwartungen an die Kinder gestellt werden. So vermeiden wir tägliche Diskussionen.

Mami lässt’s – Papi macht’s?

Die Mutter lässt die Jacken und Schuhe der Kinder bewusst im Eingangsbereich liegen, um nicht ständig hinterherzuräumen – doch sobald der Vater nach Hause kommt, hängt er alles auf und räumt die Sachen weg.

Die Kinder lernen so schnell, dass Regeln flexibel ausgelegt werden und gewöhnen sich daran, dass „jemand“ ja irgendwann sowieso ihre Arbeit erledigt, wenn sie nur lange genug warten.

(Beispiel aus einem mir bekannten Familienhaushalt. Ich verrate jetzt nicht aus welchem… 😇)


Kindgerechte Umgebung einrichten

Damit Kinder wirklich selbstständig Aufgaben übernehmen können, lohnt es sich, die Umgebung entsprechend einzurichten. Die Znüni-Snacks sollten an einem leicht erreichbaren Ort stehen, Wäschekörbe zentral platziert sein und Kleidung so aufbewahrt werden, dass Kinder sie selbst herausnehmen und verräumen können.


Wochenplan, Checklisten und Routinen nutzen

Struktur gibt Kindern Sicherheit und hilft ihnen, sich an feste Abläufe zu gewöhnen. Wiederkehrende Routinen und Checklisten erleichtern nicht nur das Mithelfen, sondern fördern auch das Mitdenken: Kinder können selbst nachschauen, welche Aufgaben wann anstehen. Schon die Kleinsten profitieren, wenn Abläufe zum Beispiel mit kleinen Bildern sichtbar gemacht werden.


Mithelfen im Haushalt ohne Belohnung – warum das wichtig ist

Die Mitarbeit im Haushalt sollte weder ans Sackgeld geknüpft noch mit Süssigkeiten oder anderen Extras belohnt werden. Denn wer für jede Aufgabe eine Gegenleistung erhält, lernt schnell: Ich helfe nur, wenn ich dafür etwas bekomme.

Doch Hausarbeit ist kein Nebenjob – weder für Eltern noch für Kinder. Auch wir Erwachsenen erhalten (leider) keinen Lohn dafür, dass wir kochen, putzen oder Wäsche waschen. Unbezahlte Arbeit gehört schlicht zum Zusammenleben dazu.

Wenn Mithelfen als selbstverständlicher Teil des Familienalltags erlebt wird, entsteht eine andere Haltung: Kinder übernehmen Aufgaben nicht wegen einer Belohnung, sondern weil ihre innere Motivation gestärkt wird, einen wertvollen Beitrag zu leisten und Teil des Teams zu sein.

Es gibt aber etwas, das wir nicht vergessen dürfen, wenn unsere Familienmitglieder Hausarbeit verrichten: Ihnen Wertschätzung entgegenzubringen. Ein DANKE für unbezahlte Arbeit ist enorm wichtig.


Konsequenzen und Verständnis statt Strafe

Statt mit dem Entzug von Bildschirmzeit oder anderen Strafen zu drohen, wenn ein Kind sich weigert seine Aufgabe zu erledigen, wirken logische Folgen deutlich nachhaltiger. Wenn ein Kind seinen Teller nicht in die Spülmaschine räumt, liegt er am nächsten Morgen noch schmutzig da. Wenn die Sportkleider im Rucksack bleiben, riechen sie beim nächsten Training entsprechend. Solche Erfahrungen sind oft lehrreicher als jede Strafe.

Und manchmal gehört auch dazu, ein Nein zu akzeptieren. Wenn ein Kind mitten im Spiel steckt, möchte es nicht immer sofort aufspringen, um z.B. in der Küche mitzuhelfen. Das ist verständlich. Auch wir reagieren nicht begeistert auf jedes spontane „Komm schnell!“. Teil des Teams zu sein bedeutet nicht ständige Verfügbarkeit. Oft helfen Kinder später bereitwillig, wenn man ihnen Raum lässt.


Die grösste Herausforderung: Loslassen und aushalten lernen

Den schwierigsten Schritt müssen eigentlich wir machen. Wenn wir den Kindern Verantwortung übertragen, brauchen wir ganz viel Geduld. Manchmal weigert sich ein Kind, seine Sachen aufzuräumen. Manchmal reagiert es genervt, wenn wir um Mithilfe bitten. Oder etwas geht vergessen. Mehrmals. Das gehört dazu und wir müssen lernen, das auszuhalten.

Anstatt Vorwürfe zu machen, können wir in Ich-Form erklären, warum uns etwas wichtig ist. Zum Beispiel: „Mich stört es sehr, wenn du deine Sachen immer auf der Garderobenbank liegen lässt, weil ich mich dort manchmal hinsetzen möchte, um meine Schuhe anzuziehen.“ So versteht das Kind den Zusammenhang – es geht nicht um Macht, sondern um gegenseitige Rücksichtnahme.

Entscheidend ist nicht, dass immer alles harmonisch und reibungslos abläuft, sondern dass wir als Eltern klar und gelassen bleiben. (Das mit dem Gelassen bleiben muss ich auch immer wieder üben… 😉)


Perfektionismus hat im Familienalltag keinen Platz

Wir Eltern haben oft eine genaue Vorstellung davon, wie unser Zuhause aussehen soll und welche Standards gelten. Doch wenn wir echte Entlastung durch die Mitarbeit aller Familienmitglieder möchten, müssen wir bereit sein, unsere Ansprüche ein Stück weit zu senken.

Ist das Waschbecken fünf Minuten nach dem Putzen wieder mit Zahnpasta verschmiert? Dann ist das eben so. Ein Zuhause mit Kindern muss nicht wie die perfekt inszenierten Bilder auf Social Media aussehen. Wer Verantwortung abgeben will, muss akzeptieren, dass Dinge anders – und manchmal weniger perfekt – erledigt werden. Wir dürfen unseren Kindern erlauben Fehler zu machen. Genau darin liegt echtes Loslassen.


Übung macht den Meister

Kinder helfen also nicht von einem auf den anderen Tag im Haushalt oder übernehmen von klein auf Verantwortung für ihre Aufgaben – sie lernen das Schritt für Schritt im Familienalltag. Wenn wir sie früh einbeziehen, Geduld haben und bereit sind loszulassen, entsteht mit der Zeit etwas Wertvolles: ein Haushalt, der von allen getragen wird.


Übrigens…

Wann immer eines meiner Kinder mit „Mami, mier isch es langwiilig!“ zu mir kommt, schlage ich Dinge vor, die sie im Haushalt erledigen könnten: Zimmer aufräumen, Wäsche zusammenlegen, staubsaugen, … Meistens dampfen sie dann schnell wieder ab und keine 5 Minuten später sind sie in irgend ein Spiel vertieft oder rufen von der Haustür „Mami, ich gah veruse!“. Langeweile vergessen.

Ach, wie recht sie doch haben. Auch ich mache lieber anderes als Hausarbeit. 😊

Über mich

Hallo, ich bin Janine

Professional Organizer, Lösungsfinderin & (Mut)Macherin
Ich gebe berufstätigen Eltern Tipps, wie sie den Familienalltag leichter gestalten und mehr Zeit für die eigenen Bedürfnisse gewinnen können.

Seit 2016 bilde ich mich zu den Themen Minimalismus, Ordnung, Alltagsorganisation, Zeitmanagement, Stress, Mental Load, Digital Detox und Selbstfürsorge weiter.
Ich habe selber erlebt, wie schwierig es ist, Haushalt, Job und Kids unter einen Hut zu bringen, ohne dabei auszubrennen. Erfahre mehr über mich.

Wenn du Fragen oder Kommentare zum Artikel hast, dann schreib mir einfach eine Nachricht. Ich freu mich drauf! :0)

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