Unordnung stresst manche Menschen
Wie stark uns Unordnung stresst, ist sehr individuell. Manche Menschen nehmen herumliegende Dinge kaum wahr, andere fühlen sich schon durch ein paar herumliegende Socken auf dem Boden gestört. Entscheidend ist einerseits, wie hoch unser Stresslevel sonst schon ist – wenn wir ohnehin viel im Kopf haben, wirkt Unordnung wie ein weiterer Stressor, der den inneren Druck erhöht. Andererseits spielt unser persönliches Ordnungs-Empfinden eine Rolle: Was für die eine Person eine reizüberflutende Umgebung ist, empfindet die andere noch als gemütlich oder normal.
Darum betrifft das Thema nicht nur Mamas. Auch Papas oder Kinder können von Unordnung gestresst sein, doch meist spüren Mamas die Belastung intensiver, da sie häufig für Ordnung, Organisation und das Familienwohl verantwortlich sind.
Grundsätzlich können wir zwei Arten von Stress durch Unordnung unterscheiden: akuter Stress, der in bestimmten Situationen sofort spürbar wird, und der dauerhafte Stress durch Mental Load, der uns oft unterschwellig begleitet.
Suchaktionen verursachen akuten Stress
Du kennst bestimmt Situationen, in denen du dich akut gestresst fühlst, weil Dinge nicht an ihrem Platz sind. Wenn du beispielsweise schon spät dran bist, um den Bus zu erwischen und genau dann deinen Hausschlüssel nicht findest, dann geht der Puls hoch, dein Herz rast und du bist in Alarmbereitschaft – Stress pur.
Herumliegendes Zeug verursacht Mental Load
Viel häufiger kommt es aber vor, dass wir uns durch herumliegende Gegenstände gestresst fühlen, häufig, ohne dass wir das bewusst wahrnehmen. Unser Gehirn scannt permanent die Umgebung und bewertet dabei alles, was an Reizen vorhanden ist. Jeder Gegenstand, den wir mit dem Blick streifen, sendet Signale: Die Hantel unter dem Sofa meint vielleicht: „Benutz mich mal wieder“, das ausgeliehene Buch: „Bring mich zurück“, die Rechnung an der Pinnwand: „Bezahl mich noch“ oder die Jacke auf dem Boden: „häng mich auf“.
Das geschieht völlig unbewusst, doch es erzeugt eine permanente To-Do-Liste im Kopf mit ganz vielen „Es muss noch etwas getan werden“-Aufgaben. Das ist Mental Load, der uns viel Energie kostet und stressen kann.
Aber warum stört es Mama, wenn neben dem Sofa dreckige Socken liegen, während die anderen Familienmitglieder kaum darauf reagieren?
Unordnung führt zu stressfördernden Emotionen
Die Antwort auf obenstehende Frage liegt oft in der Kombination aus Bewertung, Erfahrung und Verantwortung.
Ein Beispiel
Lilly kam von der Schule nach Hause, hat sich in der Küche ein Zvieri gemacht und danach den dreckigen Teller und den Joghurt-Becher auf der Arbeitsplatte stehen lassen. Danach ist sie spielen gegangen und als sie später wieder in die Küche kommt, sieht sie den Teller und den Becher und denkt sich nichts dabei.
Anders aber ihre Mutter. Als diese in der Küche die unabgeräumte Arbeitsplatte sieht, kommen ihr auf der Stelle eine ganze Reihe an Gedanken:
- „Ich habe doch schon hundertmal gesagt, wer Zvieri isst, verräumt die Sachen danach wieder.“
- „Was ist so schwierig daran, den Teller in die Spülmaschine zu räumen?“
- „Warum hört nie jemand auf mich?“
- „Warum muss immer ich alles wegräumen?“
- „Wenn ich Lilly darauf hinweise, werde ich wieder angeschnauzt.“
- „Und jetzt fehlt mir auch noch der Platz zum Kochen, wenn ich nicht vorher aufräume.“
All diese Gedanken führen dazu, dass bei der Mutter eine Reihe von Gefühlen ausgelöst werden: Ärger, Frust oder vielleicht Angst vor Konflikten. Und DAS löst den Stress aus.
Nicht die Gegenstände selbst stressen, sondern wie wir die Situation erleben, welche Konsequenzen wir erwarten und welche Gefühle das bei uns auslöst.
Diese Unordnungs-Stressquellen kennen viele
1. Ein Berg unerledigter Dinge
Liegen viele unerledigten Aufgaben herum, entsteht ein Dauerdruck.
- Beispiel: Ein Wäscheberg im Schlafzimmer oder unerledigter Papierkram auf dem Schreibtisch.
- Mögliche Folgen: Zeitnot, Erschöpfung, Aufschieben anderer Aufgaben.
- Mögliche Gefühle: Überforderung, Hilflosigkeit, Schuldgefühle („Ich sollte das längst erledigt haben“).
2. Nicht aufgeräumte Dinge der Familie
Stress entsteht auch durch Gegenstände, die andere liegenlassen.
- Beispiel: Überall herumliegende Spielsachen, nicht verräumte Jacken oder Schuhe in der Garderobe.
- Mögliche Folgen: Ständiges Ermahnen, Konflikte, Zusätzlicher Aufwand beim Putzen, weil erst weggeräumt werden muss, Stolperfallen, zu wenig Platz für die eigene Arbeit.
- Mögliche Gefühle: Ärger, Frustration, Angst vor Konflikten.
3. Unauffindbare Sachen
Besonders belastend ist, wenn wir bereits die Konsequenzen des Chaos kennen.
- Beispiel: Teile eines Gesellschafts-Spiels werden verloren gehen, das wichtige Dokument liegt verschollen, die Hallenschuhe vom Kind sind nicht in der Garderobe.
- Mögliche Folgen: Grosse Suchaktion unter Zeitdruck, Ersatzkäufe nötig, Mehraufwand, Verspätungen
- Mögliche Gefühle: Ärger, Sorge, Angst, Hilflosigkeit.
4. Bewertung durch andere
Ein weiterer Stressfaktor entsteht, wenn wir uns überlegen, wie andere die Situation bewerten könnten.
- Beispiel: Es sieht chaotisch aus zuhause, am Boden liegen Dinge herum, die Küche ist nicht aufgeräumt, das Kind kommt schon wieder ohne Buch in die Schule.
- Mögliche Folgen: Gefühl, nicht gut genug zu sein, innere Hetze, Angst vor Kritik oder Bewertung durch Nachbarn, Freunde, Lehrperson oder Familie.
- Mögliche Gefühle: Scham, Selbstkritik, Überforderung, Angst vor Beurteilung.
All diese Gedanken und Gefühle summieren sich im Alltag und lösen permanent Stress aus. Unser Körper reagiert darauf mit Anspannung, Unruhe oder verminderter Konzentration.
Wenn sich nur die Mama verantwortlich fühlt und aufräumt
In manchen Familien übernimmt die Mama automatisch Aufgaben, die eigentlich die ganze Familie tragen könnte. Sie möchte Ordnung, Harmonie und einen reibungslosen Alltag sicherstellen. Deshalb räumt sie nach, erinnert, kontrolliert und trägt die Verantwortung – oft völlig unbewusst.
Bei Kleinkindern ist das verständlich, denn sie sind eben noch nicht selbständig. Räumt die Mama aber hinter grösseren Kindern oder dem Partner her, verstärkt sich ihr Mental Load: Sie denkt ständig daran, was noch erledigt werden muss, plant voraus, und hält im Blick wer wann was wo dabeihaben muss. Langfristig führt das zu Dauerstress und einem Gefühl, nie alles im Griff zu haben.
… und der Rest der Familie gelassen bleibt
Während die Mama von diesem Mental Load belastet ist, bleiben Kinder und Partner oft erstaunlich entspannt – nicht, weil ihnen Unordnung egal ist, sondern weil sie die direkten Folgen nicht spüren. Solange Mama hinterherräumt, merken sie nicht, wie viel Zeit und Energie nötig sind, um alles in Ordnung zu halten. Sie sehen nicht, dass Putzen länger dauert, wenn zuerst alles weggeräumt werden muss, und erleben auch nicht die Konsequenzen oder Kosten, wenn Dinge fehlen oder beschädigt werden.
Dass die Familienmitglieder nicht mitdenken, verstärkt den Mental Load der Mama noch weiter: Sie trägt die Verantwortung allein, fühlt sich überlastet und gerät noch mehr unter Stress – obwohl die Familie den Alltag scheinbar gelassen erlebt.
Genau hier setzen die Strategien an, die helfen, Verantwortung bewusst zu verteilen, Stress zu reduzieren und mehr Gelassenheit in den Familienalltag zu bringen.
Strategien für weniger Stress wegen Unordnung
Unordnung gehört zum Alltag – besonders in einem Haushalt mit Kindern. Perfekte Ordnung ist weder realistisch noch wünschenswert, denn der Versuch, alles ständig makellos zu halten, erzeugt nur zusätzlichen Druck. Viel wichtiger ist es, einen entspannten Umgang damit zu finden und Wege zu entdecken, wie wir Stress reduzieren und uns selber entlasten können.
Mit diesen Strategien können wir viel Gelassener mit dem Thema Unordnung umgehen:
- Grundordnung & Routinen: Wenn jedes Ding seinen Platz hat in der Wohnung und wir zwischendurch immer wieder ein bisschen aufräumen, können wir verhindern, dass das Chaos überhandnimmt.
- Verantwortung bewusst abgeben: Die Familienmitglieder sollen die Folgen ihrer Unordnung selbst erleben, statt dass wir immer alles für sie erledigen oder automatisch bei Hauruck-Suchaktionen mithelfen.
- Dinge einfach mal stehen lassen: Das Kind hat seinen Teller nach dem Mittagessen auf dem Tisch stehen lassen? Kein Problem. Einfach dort lassen. Das Kind wird ihn womöglich wegräumen, wenn es den Platz zum Hausaufgaben machen oder fürs Abendessen braucht.
- Chaosecken: Es darf Bereiche in der Wohnung geben, die bewusst nicht immer picobello aufgeräumt sein müssen. Je nach Abmachung könnten die angesammelten Gegenstände dann einmal pro Woche an ihren richtigen Platz geräumt werden.
- Wohlfühlzonen: Selbstverständlich dürfen wir auch Chaos-freie Zonen definieren, insbesondere dort, wo wir uns entspannen möchten. Das kann z.B. das eigene Schlafzimmer oder der Lesesessel im Wohnzimmer sein.
- Realistische Erwartungen: Ein Haushalt mit Kindern muss nicht perfekt sein. Es ist völlig in Ordnung, dass nicht alles blitzsauber und immer picobello aufgeräumt ist. Deswegen müssen wir uns vor anderen nicht schlecht fühlen.
- Alltag entschleunigen & clever planen: Wenn wir für unsere Tätigkeiten genügend Zeit einplanen, können wir alles Wichtige erledigen, ohne dass ein riesiger Berg unerledigter Aufgaben entsteht. Und wir können nach dem Erledigen auch alle benutzten Gegenstände wieder verräumen.
Gelassen bleiben ist schwer – und das ist okay
Trotz all dieser Strategien ist es völlig normal, dass mal Ärger oder Frust aufkommt, wenn Familienmitglieder Dinge herumliegenlassen. Dieser Ärger zeigt nur, dass uns Ordnung, Harmonie und ein funktionierender Alltag wichtig sind. Es geht also nicht darum, den Ärger auszuschalten, sondern ihn bewusst wahrzunehmen, die eigenen Grenzen zu erkennen und die Verantwortung fair zu verteilen.
Und wenn wir es schaffen, unser Stresslevel allgemein zu reduzieren und gelassener durch den Alltag zu gehen, dann ist das der beste Weg mit Unordnung umzugehen. Denn wenn es uns gut geht und wir im grünen Bereich sind, dann ärgern wir uns auch nicht so schnell über dreckige Teller in der Küche oder herumliegende Socken.
Mehr Leichtigkeit ist möglich
Ordnung im Familienalltag bedeutet also nicht, alles perfekt im Griff haben zu müssen. Es geht darum, Wege zu finden, die dich entlasten, Stress reduzieren und dir wieder mehr Raum für dich selbst geben.
Wenn du dir dabei Unterstützung wünschst, dann lade ich dich herzlich in meinen Ordnungskurs ein. Dort zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du eine Grundordnung schaffst und mit einfachen Routinen mehr Gelassenheit in dein Zuhause bringst.




