Ich liebe den Frühling. Und mit ihm die Möglichkeit, mich wieder mehr draussen zu bewegen – denn ich bin nicht wirklich eine Wintersportlerin. Sobald es wärmer wird und ich wieder joggen oder biken gehen kann, bin ich happy.
Total motiviert wollte ich mich also kürzlich aufs Bike schwingen – doch in meinen Reifen war ziemlich wenig Luft drin. Mist.
Aber „frau“ ist ja selbständig. Also holte ich kurzerhand die Velopumpe und versuchte, meine Reifen zu pumpen. Erfolglos. Ich konnte die Pumpe zwar draufdocken, doch irgendwie ging keine Luft rein.
Also was tun?
Beim Nachbarn klingeln? Zu peinlich.
Beim Velomech vorbeifahren? Zu weit weg. Zu wenig Luft. Und zu peinlich.
Ich bin dann joggen gegangen. 😇
Velopumpen? War bei mir immer Männersache.
Unterwegs habe ich mir überlegt, wann ich das letzte Mal meine Reifen selber gepumpt habe. Das muss wohl zu WG-Zeiten gewesen sein.
Ich erinnere mich noch, dass unser Vater mir und meiner Schwester im Primarschulalter gezeigt hat, wie das geht und meinte: „Ihr könnt so viel pumpen, wie ihr Kraft habt – da kann nichts passieren!“ Ja, denkste. Da hat er uns völlig unterschätzt. Bei meiner Schwester sind beide Reifen geplatzt. 💥😂
Seither habe ich fast nie mehr selber Reifen gepumpt. Ich habe das immer den Männern überlassen: Vater, Freund, Ehemann … irgendwie war immer jemand da, der mir das abnahm.
Gibt es eigentlich Männeraufgaben und Frauenaufgaben?
Mir ist völlig klar, dass Reifenpumpen keine Männeraufgabe ist, sondern auch von vielen Frauen erledigt wird. Aber diese kleine Episode hat mich doch zum Nachdenken gebracht.
Gibt es eigentlich Aufgaben im Familienalltag, die wirklich nur Männer oder nur Frauen erledigen können?
Mir ist genau eine einzige eingefallen: Ein Baby stillen. (Ohne Pumpe und Fläschchen versteht sich.)
Alle anderen Aufgaben – egal ob Haushalt, Kinderbetreuung, Familienorganisation, Finanzen, Technik, Auto oder Garten – können wir lernen. Unabhängig vom Geschlecht.
Und trotzdem:
- Warum sind in so vielen Familien immer noch die Männer für Müll, Rechnungen und den Akkuschrauber zuständig – und die Frauen fürs Kochen, Putzen und Kinderkleider kaufen?
- Warum denken wir immer noch in „Frauenaufgaben“ und „Männeraufgaben“?
- Und warum halten wir an Rollen fest, die uns längst im Weg stehen?
Was kann ich denn überhaupt abgeben? – Alles!?
Eine überlastete Mutter fragte mich mal: „Ja, was kann ich denn alles meinem Partner abgeben??“
Meine Antwort war: „Alles!?“
Nicht im Sinne von: Er soll alles übernehmen und sie gar nichts mehr machen.
Sondern im Sinne von: „Es gibt keine Aufgabe im Familienalltag, die nicht auch dein Partner übernehmen kann.“
Wenn wir Frauen das verinnerlicht haben, können wir anfangen abzugeben. Und zwar nicht nur das Erledigen der Aufgabe – sondern auch das Mitdenken und Entscheiden. Denn nur so können wir unseren Mental Load reduzieren.
Und ja, wenn jemand eine Aufgabe neu übernimmt, dann wird es am Anfang langsamer gehen. Es werden Fehler passieren. Und es wird anders gemacht, als wir es tun würden. Aber das ist okay.
Auch wir Mütter machen viele Fehler – und lernen immer noch dazu.
Wenn wir wirklich Chancengleichheit leben wollen, müssen wir aufhören, die Supermoms zu spielen. Wir müssen lernen, loszulassen und unseren Männern die Chance geben, in die Familienarbeit hineinzuwachsen.
Zeig mir, wie es geht!
An diesem Abend, als mein Mann nach Hause kam, bat ich ihn, mir zu zeigen, wie ich mein Bike pumpen muss. Er meinte: „Komm, ich mach das schnell für dich.“ Ich lehnte dankend ab, denn ich wollte es lernen, damit ich es beim nächsten Mal selber kann.
Und inzwischen weiss ich:
Es gibt doch etwas, das wirklich NUR Männer können – Reifen-Ventile sooo klein designen, dass man sie von Auge kaum sehen kann… 🤦♀️
(Aber nächstes Mal weiss ich, wo ich das verflixte Ding drehen muss! 😅)
Kleiner Gedankenanstoss für dich:
- „Wo übernimmst du noch Aufgaben, die du eigentlich abgeben könntest?“
- „Was wäre dein erstes kleines ‚Ventil‘, das du selbst in die Hand nehmen willst?“
Wenn du merkst, dass dich genau solche Themen im Alltag immer wieder einholen:
In meinem Alltagscheck kannst du herausfinden, wie entlastend eure Familienorganisation aktuell wirklich ist – und wo noch Luft nach oben ist.



