Entspannter Familienalltag? Das wünschen sich viele Eltern
So wie mir damals, geht es heute vielen Eltern. Die Vielfachbelastung von Haushalt, Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung verbraucht unsere Energiereserven rasant schnell. Wenn wir nicht für genügend Ausgleich und Pausen sorgen, dann leiden wir ständig an Überlastung und chronischem Stress. Das ist nicht gut für unsere Gesundheit und unsere Beziehungen. Wie also kann der Familienalltag entspannter werden?
Voilà, meine 15 Tipps:
Tipp 1: Unverplante Zeit
Das A und O den Familienalltag entspannter zu gestalten, ist unverplante Zeit. Und zwar so viel wie möglich. Natürlich ist es schön, wenn wir selber oder die Kinder einem Hobby nachgehen. Und es gibt unzählige tolle Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung, die viel Spass machen.
Wir müssen unsere ganze freie Zeit aber nicht bis zur letzten Minute mit Aktivitäten füllen. Denn wenn wir alles verplanen und ständig unterwegs sind, fehlt Raum für Ruhe, Erholung und Spontanität. Ausserdem bringt jedes zusätzliche Hobby und jede Aktivität neue Aufgaben und Organisationsaufwand mit sich.
Inzwischen leiden nicht nur Erwachsene, sondern auch schon Kinder an Freizeitstress, weil sie nicht die Möglichkeit haben, sich genug zu erholen oder das zu tun, worauf sie gerade Lust haben. Fremdbestimmung ist ein Stressfaktor. Auch wenn wir all die Dinge gerne tun, kann es sein, dass es einfach zu viel ist.
Tipp 2: Genug Zeit einrechnen
Um den Familienalltag entspannter zu gestalten, heisst das Zauberwort Entschleunigung. Und die erreichen wir, indem wir für unsere Aufgaben und Aktivitäten genug Zeit einrechnen. Und zwar viel mehr Zeit, als wir meinen zu brauchen. Mit Kindern dauert alles meistens viel länger oder aber es kommt mal was dazwischen.
Wenn wir alles schnell schnell machen und ständig Zeitnot haben, kommt Hektik auf und wir fühlen uns gestresst. Bemessen wir die Zeit für Aktivitäten zu knapp, laufen wir schnell Gefahr schon am Morgen unserem Zeitplan hinterher zu hinken. Und dann drohen Überstunden oder es reicht nicht für Pausen oder Me-Time.
Wenn wir für Aktivitäten und Aufgaben mehr Zeit einrechnen, dann bedeutet das, dass wir weniger in den Tag hineinquetschen können. Aber ist das wirklich ein Nachteil? Wenn wir Prioritäten setzen, finden die wichtigen Dinge in unseren 24 Stunden Platz!
Tipp 3: Weniger Arbeiten
Wir leben in einer leistungs- und gewinnorientierten Gesellschaft, in welcher es als erstrebenswert gilt, viel zu arbeiten und dauernd beschäftigt zu sein. Leider beachten wir in diesem System zu wenig, dass immer mehr Menschen – gerade Eltern – gestresst, überlastet und überfordert sind. Das führt nicht selten zu psychischen und physischen Problemen.
Wie wäre es also, wenn wir unsere Gesundheit wichtiger nehmen würden, als unser Einkommen? Was, wenn Zeit zu haben mehr Wert hätte, als Besitz und teure Ferien?
Wenn wir einer Arbeit nachgehen, die uns erfüllt und die uns nicht auslaugt, dann spricht überhaupt nichts dagegen, viel zu arbeiten. Wenn wir aber dauernd Überstunden leisten müssen und keine Zeit für uns selber haben, dann arbeiten wir vermutlich zu viel. Und wenn wir chronisch gestresst sind und unsere Gesundheit darunter leidet, dann wird es höchste Zeit, unser Arbeitspensum zu reduzieren. Nicht vergessen: Unbezahlte Arbeit ist auch Arbeit!
Anstatt zu überlegen, wie wir als Familie möglichst viel Geld verdienen können, um uns möglichst viel zu leisten, könnten wir den Gedankengang umkehren:
„Was brauchen wir minimal, um glücklich und gesund zu leben und wie viel müssen wir dafür arbeiten?“
Tipp 4: Weniger Zeug
Materialismus hat in unserer Gesellschaft einen sehr hohen Stellenwert und wir verbringen sehr viel Zeit mit Gegenständen: Wir kaufen sie, bringen sie nach Hause, räumen sie ein, benutzen sie, putzen oder waschen sie und räumen sie immer wieder auf. Und wenn wir sie nicht mehr brauchen oder wenn es zu viele werden, dann müssen wir sie wieder verkaufen oder entsorgen.
Mit weniger Shopping und weniger Zeug gewinnen wir nicht nur ordentliche und einladende Räume, in denen es sich viel besser entspannen lässt. Wir können auch unseren Stresspegel senken und gewinnen viel Zeit. Wir können schneller aufräumen und putzen. Wir verbringen weniger Zeit mit auswählen, suchen und entscheiden. Wir sind weniger abgelenkt durch herumliegendes Zeug und können uns viel besser konzentrieren, was uns effizienter arbeiten lässt.
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Tipp 5: Ein gutes Organisationssystem
Im Familienalltag gibt es so viel zu erledigen, zu organisieren und dran zu denken, wie in einem Kleinunternehmen. Wer da ohne Planung und ohne Organisationstools den Alltag managen möchte, landet schnell im Chaos und leidet unter Mental Load. Apps oder eine „Familien-Kommandozentrale“ an einer Wand helfen, alles wichtige auf dem Schirm zu behalten.
Die wichtigsten Organisations-Werkzeuge sind: Kalender, Aufgabenliste, Einkaufsliste, Menüplan und ein cleveres Ablagesystem. Auch helfen uns und unseren Kindern Checklisten, damit nichts vergessen geht.
Tipp 6: Die Verantwortung auf die ganze Familie verteilen
Frauen fühlen sich meist für Hausarbeit, Familienorganisation und Ordnung verantwortlich und übernehmen auch einen grossen Teil der unbezahlten Arbeit. Der Alltag wird für uns um einiges leichter, wenn wir die Verantwortung für die Familienangelegenheiten und die Hausarbeit auf alle Familienmitglieder verteilen – je nach Zeit und Fähigkeit versteht sich.
Das bedeutet aber auch, dass wir loslassen müssen und dass wir in Zukunft nicht mehr über alles die Kontrolle haben werden. Es bedeutet, zu akzeptieren, dass andere Personen Dinge anders machen als wir. Oder dass mal etwas nicht erledigt ist oder vergessen geht. Aber die Welt wird sich weiterdrehen! Dafür gewinnen wir viel mehr Zeit und Leichtigkeit.
Tipp 7: Ein gutes Netzwerk
Der Familienalltag wird viel entspannter, wenn wir Hilfe suchen und annehmen. Dafür braucht es ein grosses Netzwerk an Personen, die uns im Alltag unterstützen können. Sei es für die Kinderbetreuung oder für die Hilfe bei der Hausarbeit. Wenn wir Job, Familie und Haushalt unter einen viel zu engen Hut bringen wollen, dann landen wir schnell in der Erschöpfung.
Wir müssen nicht alles alleine schaffen!
Wir können Unterstützung holen von unseren Eltern, Schwiegereltern, Geschwistern, Nachbarn, Freunden, einem Ersatzgrosi oder von wem auch immer für uns da sein kann, um uns zu helfen. Wir können uns mit anderen Familien zusammenschliessen, um gegenseitig die Kinder zu betreuen oder füreinander einzukaufen. Und wenn es finanziell möglich ist, sollten wir Angebote wie Kita, Mittagstisch, Babysitter, Nanny oder Putzhilfe nutzen, damit wir Entlastung erhalten.
Tipp 8: Weniger Perfektionismus
In den sozialen Medien sehen wir perfekte, glückliche Familien: die perfekt gestylten Eltern mit ihren perfekt angezogenen Kindern in den perfekt eingerichteten und aufgeräumten Wohnungen vor dem perfekt angerichteten Essen sitzen. Und dann meinen wir, das sei normal und wir müssten diese Standards auch erreichen.
Aber diese Bilder sind – wenn nicht sowieso total gestellte Szenen – immer nur Momentaufnahmen. Wir sehen nicht, ob die Menschen davor und danach auch so zufrieden lächeln oder ob sie auch genervt sind und sich streiten. Wir sehen auch das Chaos nicht, das sich hinter der Kamera befindet.
Perfektion ist sowieso gar nie zu erreichen!
Also warum entspannen wir uns nicht einfach und geniessen unser unperfektes, aber gelasseneres Leben? Der Familienalltag wird viel entspannter, wenn wir unsere Ansprüche an uns, an unsere Kinder und den Haushalt auf ein gesundes Mass runterschrauben.
Tipp 9: Sich nicht vergleichen
Wenn wir uns permanent mit anderen vergleichen, dann sind wir uns und andere ständig am bewerten. Wer hat mehr? Wer kann das und dieses besser? Wer sieht besser aus? Wer unternimmt mehr? Usw.
Wenn wir dabei stets den Kürzeren ziehen, dann ist das Gift für unser Selbstwertgefühl und ein entspanntes Familienleben. Denn dann müssen wir uns permanent anstrengen und Zeit und Geld investieren, um mithalten zu können.
Es wird immer jemanden geben, der mehr hat oder mehr kann. Aber ein glückliches Leben ist nicht von beruflichen Erfolgen, der grösse des Hauses, Bestnoten oder der Anzahl der Hobbies abhängig. Das Leben ist kein Wettbewerb, bei dem nur der Schönste und Erfolgreichste gewinnt. Wir können uns bewusst dafür entscheiden, nicht überall dabei zu sein und nicht alles zu besitzen, dafür mehr Zeit und weniger Stress zu haben. Das hilft enorm, entspannter im Familienalltag zu sein.
Tipp 10: Zeit mit der Familie verbringen
Tun wir das denn nicht die ganze Zeit? Irgendwie schon, aber oft doch nicht so richtig. Nicht selten kommt es vor, dass wir uns zwar in der selben Wohnung befinden, aber doch jeder seinen Aufgaben nachgeht oder in seinen eigenen Bildschirm starrt. Oder dass wir zwar zusammen etwas machen, aber mit den Gedanken ganz woanders sind.
Mit der Familie Quality-Time zu verbringen, bedeutet nicht, dass es teure Ausflüge oder unvergessliche Erlebnisse sein müssen. Es reicht, mit ungeteilter Aufmerksamkeit Zeit miteinander zu verbringen. Spielen, vorlesen, herumtoben, Sport machen, gemeinsam essen, usw. Auch ein Spaziergang oder ganz normale Haushalt-Tätigkeiten wie Wäsche zusammenlegen oder kochen können zur Quality-Time werden. Manchmal entstehen dabei ganz tolle Gespräche.
Auch wenn es pro Tag nur eine kurze Zeitspanne ist, in der wir uns exklusiv und ohne Ablenkung unseren Familienmitgliedern widmen, so ist es förderlich fürs Gemeinschaftsgefühl und die Beziehungen. Das Bedürfnis nach Nähe und Aufmerksamkeit kann so gestillt werden. Und miteinander Spass haben, spielen oder lachen, macht den Familienalltag um einiges entspannter.
Tipp 11: Bildschirmfreie Zeiten
Viele nutzen Pausen oder den Feierabend um durch Newsfeeds oder die sozialen Medien zu scrollen. Leider trägt dieses Verhalten nicht zur Entspannung bei, im Gegenteil. Unser Gehirn läuft dabei auf Hochtouren.
Wenn wir wieder vermehrt Bildschirmfreie Zeit geniessen, dann kann sich unser Gehirn entspannen und wir werden ruhiger und konzentrierter. Ganz zu schweigen davon, dass die ständige Ablenkung durch unser Smartphone ein riesiger Zeit- und Energie-Räuber ist.
Tipp 12: Rausgehen und bewegen
Um Stress vorzubeugen oder unseren bereits hohen Stresspegel zu senken gibt es unzählige Strategien. Was immer hilft:
- Raus gehen. Wir können uns am besten erholen, wenn wir uns in unserer natürlichen Umgebung aufhalten. Sind wir draussen in der Natur mit frischer Luft und Blick ins Grüne, entspannen wir automatisch.
- Bewegen. Ob Sport, Tanzen oder einfach nur ein Spaziergang: Wir können unseren Stresspegel senken oder Stress vorbeugen, indem wir uns viel bewegen.
Tipp 13: Selbstfürsorge
Nur wenn es uns selber gut geht, können wir uns auch gut um andere kümmern. Indem wir unseren Bedürfnissen, Interessen und genügend Erholung eine hohe Priorität zusprechen, sorgen wir dafür, dass wir mental und körperlich gesund bleiben. Mit einer guten Selbstfürsorge sind wir bestens gewappnet für den herausfordernden Alltag und können ihn entspannt und mir genügend Energie meistern.
Tipp 14: Flexibel bleiben
Es hilft enorm, wenn wir Gewohnheiten und Routinen in unserem Alltag etabliert haben. Wenn wir diese aber auf Biegen und Brechen durchsetzen wollen, wird das nur erneut zum Stressfaktor. Nur weil etwas auf dem Plan steht, heisst das nicht, dass es nicht auch mal verschoben oder gar weggelassen werden kann.
Der Familienalltag wird sehr viel entspannter, wenn wir nicht kleinlich auf Regeln beharren: Heute ist Dienstag, aber das Kind will partout nicht duschen? Heute wäre „abstauben“ auf dem Plan, aber es ist gar keine Zeit dafür? Fürs Aufräumen sind alle zu müde? Die Welt wird nicht untergehen, wenn wir Ausnahmen machen. Ein bisschen mehr Gelassenheit tut uns allen gut!
Tipp 15: Mehr Humor
Zu guter Letzt hilft es ungemein, wenn wir das Leben nicht zu ernst nehmen. Mit Humor und einer spielerischen Leichtigkeit lässt es sich im Familienalltag viel entspannter leben.
Deinem Kind ist ein Missgeschick passiert? Dann mach doch einen albernen Witz, über den alle lachen können, statt zu schimpfen. Dir ist ein dummer Fehler unterlaufen? Dann lach doch einfach mal über dich selber, statt dich grün und blau zu ärgern. Alle sind nur noch genervt und die Stimmung ist am Boden? Dann mach laute Rockmusik an, sing mit und spiel wie verrückt Luftgitarre… ;0)
Rund um die Uhr ein völlig entspannter Familienalltag? Unmöglich!
Ein Leben, dass nur aus purer Leichtigkeit besteht, ist weder möglich, noch erstrebenswert. Es ist völlig normal, dass wir nicht permanent tiefenentspannt sein können und den ganzen Tag herumhüpfen, wie das seifenblasen-pupsende Einhorn. Kleine Krisen, Streit und Stress gehören zum Familienalltag dazu. Es wird immer wieder anstrengede Phasen und neue Herausforderungen geben, die es zu meistern gilt. Das macht das Leben spannend.
Mach dich also nicht verrückt, wenn du mal wieder voll gestresst oder schlecht drauf bist. Oder wenn du es wieder nicht geschafft hast, gelassen zu bleiben und dein Kind angemeckert hast. Dass Eltern manchmal einfach die Nerven verlieren, ist total menschlich.
Wenn du es aber schaffst, ein paar Gänge runterzuschalten, dann wird dein Familienalltag sehr viel entspannter werden. Ich wünsch dir gutes Gelingen! :0)



